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Jungen sind stark, Mädchen sind Quark
Müslim steht vor mir und sagt: „Du hast die falsche Tür benutzt, jetzt klebe ich dir einen gelben Punkt!“

Stimmt, stelle ich nach kurzem Nachdenken und langem Nachschauen fest. Auch die Ausrede: „Ich wollte doch nur schnell ins Büro!“ zählt für Müslim nicht. Ich bekomme einen gelben Punkt hinter meinen Namen an unser großes Plakat geklebt, auf dem alle Erwachsenen vermerkt sind, die in der Kita ein- und ausgehen. Nur die Erwachsenen bekommen für die „falsche“ Tür einen Punkt. Im Laufe unseres Projektes bestimmen die Kinder, welcher unserer zwei Eingänge für eine bestimmte Zeit von welchem Geschlecht benutzt werden darf.

Zur Orientierung hängt an den Eingangstüren ein Kind aus Papier, dass die typische Kleidung trägt. Nach ca zwei Wochen werden die Eingänge getauscht. Den Kindern bereitet diese Aktion einen Riesenspaß, sie achten streng auf die Einhaltung und halten auch ihre Eltern an, durch die jeweils korrekte Tür die Kita zu betreten und zu verlassen.

Rollentausch
Yasmin sitzt fröhlich am Frühstückstisch und sagt: „Ich habe mich mit Jaqueline hingesetzt, ich bin heute wieder ein Junge.“ Stimmt, stelle ich auch hier nach kurzem Ansehen von Yasmin fest, sie trägt ein Jungenhemd und ein Basecap aus unserer Jungenverkleidungstonne.

Mädchen dürfen alles anziehen

Auch eine Regel im Projekt, man sucht sich jeweils einen andersgeschlechtlichen Partner, um am Tisch Platz zu nehmen. Es ergeben sich interessante neue Kinderpaare, die zuvor eher weniger miteinander zu tun hatten. Onur fragt: „Kann ich den Tisch dekorieren? Ich mache es mit Tatjana.“ Ach ja, unsere Tischdekoration, Kerzen, Servietten, Federn, Glassteine werden von Onur und Tatjana liebevoll auf die Tische verteilt und nach dem Essen von ihnen wieder zurück auf das Tablett gelegt, bereit für das nächste Essen und zwei neue Dekorationskinder. Beim Mittagessen kreist das Gespräch um die typische Kleidung von Jungen und Mädchen und auch manche männliche Erwachsene gewinnen die tiefe Erkenntnis: „Das ist ungerecht, Mädchen und Frauen dürfen alles anziehen, was auch Männer und Jungen tragen, aber umgekehrt nicht“.

In der Projektstunde wird der Spieleraum zur Karaokebühne, es tönt das altbekannte Kinderlied „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ untermalt vom Chor und der Solistin; der Bastelraum wird zum Tanzboden und Imaad hält schließlich die Zipfel seines langen Rockes hoch, damit er nicht immer darüber stolpert; der Turnraum wird zum Schloss, in dem sich Prinzen und Prinzessinnen tummeln und bei genauem Hinsehen stellt man fest, dass sich unter der blonden Perücke und dem rosa Kleid Erem verbirgt; und der Club wird zum Schönheitssalon, in dem die Quarkmaske aufgetragen wird, die so schön kühl auf der Haut ist.

Die Schulkinder arbeiten, unterstützt von den Kindergartenkindern, noch immer an einer recht eigenwilligen Fassung von „Schneewittchen“ mit einem bösen König und seinen zwei Stiefsöhnen, die im Laufe des Märchens auf viele Zwerginnen treffen und mit Haargel und Gürteln getötet werden sollen.

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